Das „kleine Jerusalem“ der Untermosel

Beilstein, ein malerisches Städtchen an der Untermosel, beherbergte vom 14. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert eine außergewöhnlich große jüdische Gemeinde — gemessen an der Einwohnerzahl. Anfang des 14. Jahrhunderts lebten hier rund zehn jüdische Familien, die vor Verfolgung im Raum Oberwesel geflohen waren. Ritter Johann von Braunshorn siedelte sie an, um die örtliche Wirtschaft zu beleben.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war über ein Viertel der Beilsteiner Bevölkerung jüdisch — der höchste Anteil aller Orte in den Regierungsbezirken Koblenz und Trier. Der Volksmund nannte Beilstein in dieser Zeit gelegentlich „klein Jerusalem an der Mosel“.

Synagoge, Schule und Mikwe

Das letzte Synagogengebäude entstand teils im 18., teils im frühen 19. Jahrhundert. Es wurde aus Bruchstein gemauert, war zweigeschossig und besaß eine Frauenempore. Im selben Gebäude befanden sich auch die jüdische Schule und ein rituelles Bad (Mikwe). Der heutige Eingang ist in der Weingasse 13 zu finden.

Niedergang und Neunutzung

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts verließen die meisten jüdischen Familien Beilstein in Richtung der größeren Städte. Vor dem Ersten Weltkrieg waren nur noch zwei Familien geblieben. 1925 wurde das Synagogengebäude nach Jahren ohne Gottesdienst verkauft. Die letzte in Beilstein lebende jüdische Familie zog 1939 nach Köln.

1990 erwarb ein neuer Eigentümer das leerstehende Gebäude und restaurierte es behutsam; seither dient es als Galerie und Ausstellungsraum. Der jüdische Friedhof von Beilstein liegt etwas außerhalb am Hang — ein stiller Ort, der die Erinnerung wahrt.

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