Eine der ältesten Gemeinden Deutschlands

Trier — Augusta Treverorum — war im römischen Reich eine der wichtigsten Städte nördlich der Alpen und in der Spätantike kaiserliche Residenz. Ein Edikt Kaiser Konstantins von 321 belegt eine jüdische Gemeinde im nahen Köln. Die heutige Forschung geht davon aus, dass auch in Trier bereits zur Römerzeit eine jüdische Gemeinde existierte. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1066 in einer Stadtchronik.

Im frühen 14. Jahrhundert lebten rund 300 Juden in Trier in einem eigenen Viertel rund um die Judengasse nahe dem Hauptmarkt. Etwa 60 Gebäude bildeten dort das Zentrum des mittelalterlichen jüdischen Lebens, mit Synagoge, Mikwe und Gemeindeeinrichtungen.

Kreuzzug, Pest und Vertreibung

Im Frühjahr 1096 wurde Trier zum Schauplatz eines der schwersten Pogrome des Ersten Kreuzzugs. Erzbischof Egilbert versuchte zunächst, die Gemeinde zu schützen, drängte sie dann zur Taufe; mehrere Trierer Juden wählten den Tod. Die Pestpogrome 1348–1418 gipfelten in eines der dunkelsten Kapitel der Trierer jüdischen Geschichte. 1418 wies Erzbischof Otto von Ziegenhain die Juden vollständig aus der Stadt aus. Erst im 17. Jahrhundert — um 1610/1620 — war wieder Ansiedlung möglich. 1651 wurde der jüdische Friedhof in der Weidegasse vor den Stadtmauern angelegt.

Die Synagoge am Zuckerberg (1859–1938)

Mit der rechtlichen Gleichstellung im 19. Jahrhundert wuchs die Trierer Gemeinde sichtbar. Am 6. Oktober 1857 fand die Grundsteinlegung am Zuckerberg statt; am 9. September 1859 wurde die neue Synagoge eingeweiht. Sie galt als eines der bedeutendsten jüdischen Gotteshäuser im Rheinland.

Am 9. und 10. November 1938 wurden die Synagoge und ihre Einrichtung zusammen mit den sakralen Gegenständen demoliert und geplündert. Einer ihrer Trümmersteine diente als Grundstein für den Neubau an der Kaiserstraße, der 1957 eingeweiht wurde.

Die Schoah in Trier

Reiner Nolden hat mit dem Vorläufigen Gedenkbuch für die Juden von Trier 1938–1943 (1994; 2. Aufl. 1998) die Namen der Trierer Opfer dokumentiert. Die Deportationen in die Vernichtungslager im Osten löschten die einst blühende Gemeinde aus. Eines der bekanntesten Familienschicksale ist das der Familie Loeb: Otto Loeb floh 1937 nach London; seine Eltern Sigmund und Nelly Loeb 1938 in die Niederlande, wo sie das Lager Westerbork überlebten.

Wiederbeginn nach 1945

Nach dem Krieg fand sich in Trier eine kleine jüdische Gemeinde wieder zusammen. 1957 wurde die schlichte neue Synagoge an der Kaiserstraße eingeweiht; ein Stein der alten Synagoge ist in das Mauerwerk eingelassen. Mit der Einwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion ab den 1990er-Jahren wuchs die Gemeinde wieder. Heute zählt sie etwa 500 Mitglieder; rund 99 Prozent von ihnen haben eine sowjetische Vorgeschichte.

Forschung und Erinnerung

An der Universität Trier wurde 1996/97 das Arye-Maimon-Institut für Geschichte der Juden gegründet, das sich der Forschung zur jüdischen Geschichte West- und Mitteleuropas vor allem im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit widmet. Es führt eine Bibliographie zur jüdischen Geschichte mit über 16.000 Einträgen und gibt mehrere wissenschaftliche Reihen heraus.

Das Stadtmuseum Simeonstift dokumentiert in eigenen Abteilungen die jüdische Geschichte der Stadt; eine Online-Spurensuche „Orte jüdischen Lebens in Trier“ erschließt sie multimedial. Im Stadtarchiv hat sich eine Fotosammlung zur Familie Loeb erhalten; ein städtischer Podcast widmete sich 2021 ihrer Geschichte. 1958 benannte die Stadt eine Straße in Trier-Nord nach Sigmund Loeb.

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