Wo das Gedenken heute lebendig ist: Friedhöfe, ehemalige und neue Synagogen, Stolpersteine, Forschungsstätten und Museen entlang der Mosel.
1. Jüdische Friedhöfe an der Mosel
Im Kreis Bernkastel-Wittlich allein haben sich jüdische Friedhöfe in folgenden Orten erhalten: Bausendorf, Bengel, Brauneberg, Enkirch, Kröv, Lieser, Lösnich, Neumagen-Dhron, Osann-Monzel, Thalfang, Trittenheim, Wittlich und Zeltingen-Rachtig.
Bedeutend sind insbesondere:
- Trier (Weidegasse) — angelegt 1651, nachdem die jüdischen Familien um 1610/1620 wieder zugelassen worden waren.
- Wittlich (Stäreberg) — älteste Steine 1671/72; mit über 700 Grabsteinen einer der größten und besterhaltenen jüdischen Friedhöfe in Rheinland-Pfalz.
- Bernkastel — angelegt 1866, belegt 1867–1932; ca. 33 Grabsteine.
- Cochem — erhalten und dokumentiert.
- Beilstein — am Hang oberhalb des Ortes.
- Koblenz — Friedhof seit 1303 (Kauf eines Weinbergs durch die Gemeinde).
2. Synagogen — verloren und erhalten
Die meisten Moselsynagogen wurden in der Reichspogromnacht 1938 geplündert oder zerstört. Einige Gebäude haben überdauert — meist umgenutzt:
- Trier (Kaiserstraße) — 1957 eingeweihte neue Synagoge, mit einem Stein der zerstörten Synagoge am Zuckerberg im Mauerwerk.
- Wittlich — ehemalige Synagoge (1910) seit 1976 als Kultur- und Tagungsstätte genutzt.
- Beilstein — ehemalige Synagoge (18./frühes 19. Jh.), seit 1990 restauriert, heute Galerie.
- Koblenz (am alten Friedhof) — heutige Synagoge in der ehemaligen Trauerhalle von 1925.
Bemerkenswerte ehemalige Synagogenstandorte finden sich daneben in Trittenheim, Münstermaifeld, Zell, Bruttig-Fankel und Ediger-Eller.
3. Stolpersteine
In zahlreichen Moselorten wurden Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt. Sie erinnern unmittelbar vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz an die Deportierten und Ermordeten. In Bernkastel-Kues wurden zum 70. Jahrestag der Pogromnacht 2008 siebzehn Stolpersteine vor vier Häusern verlegt. Auch in Trier, Wittlich, Cochem, Zell und Koblenz sind Stolpersteine verlegt.
4. Forschungs- und Erinnerungsinstitutionen
Emil-Frank-Institut, Wittlich (1997). Trägerschaft: Universität Trier, Theologische Fakultät Trier und Stadt Wittlich. Das Institut ist Begegnungsort von Juden und Nichtjuden in Forschung, Lehre und Bildung. Es betreibt eine wissenschaftliche Bibliothek mit über 11.000 Medieneinheiten in Kooperation mit der Stadtbibliothek Wittlich. Forschungsschwerpunkt: jüdische Gemeinden in Mosel, Eifel und Hunsrück.
Arye-Maimon-Institut für Geschichte der Juden, Universität Trier (1996/97). Benannt nach dem in Deutschland geborenen israelischen Historiker Arye Maimon (Herbert Fischer), Mitherausgeber der Germania Judaica III. Forschungsschwerpunkt: Geschichte der Juden in West- und Mitteleuropa, insbesondere im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Mehrere Publikationsreihen, eigene Bibliographie mit über 16.000 Einträgen.
Stadtarchiv Trier. Bewahrt eine Fotosammlung zur jüdischen Familie Loeb sowie das „Vorläufige Gedenkbuch für die Juden von Trier 1938–1943“ (Reiner Nolden, 1994/1998). 2021 erschien ein städtischer Podcast zur Geschichte der Familie Loeb.
5. Museen und Dauerausstellungen
- Stadtmuseum Simeonstift Trier — eigene Abteilungen zur jüdischen Geschichte der Stadt; multimediales Online-Projekt „Orte jüdischen Lebens in Trier“.
- Synagoge Wittlich — Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Wittlich“ in einem Nachbarhaus der ehemaligen Synagoge (2022 vollständig neu gestaltet).
- Beilstein — ehemalige Synagoge als Galerie — mit Möglichkeit der Besichtigung.
- Koblenz — Stadtführung „Shalom an Rhein und Mosel“ der Tourist-Information.
6. Lebendige Gegenwart — heutige jüdische Gemeinden
Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Landgemeinden entlang der Mittelmosel — Bernkastel, Wittlich, Beilstein, Cochem, Zell und die kleineren Orte — wurden in der Schoah ausgelöscht und nie wieder als eigene Kultusgemeinden gegründet. Aktive jüdische Gemeinden bestehen heute im engeren Moselraum nur noch an den beiden Endpunkten der Region:
- Jüdische Kultusgemeinde Trier — unmittelbare Nachfolgerin der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Gemeinde. Synagoge an der Kaiserstraße, 1957 eingeweiht; einer der Trümmersteine der 1938 zerstörten Synagoge am Zuckerberg dient als Grundstein. Heute rund 500 Mitglieder, ganz überwiegend mit Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion (Zuwanderung seit den 1990er Jahren). Mitglied im Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz.
- Jüdische Kultusgemeinde Koblenz — am Zusammenfluss von Mosel und Rhein. Synagoge an der Schlachthofstraße, untergebracht in der ehemaligen Trauerhalle des jüdischen Friedhofs von 1925. Etwa 700 Mitglieder, ebenfalls weit überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion. Ebenfalls Mitglied im Landesverband Rheinland-Pfalz.
Beide Gemeinden sind Anlaufstellen für Gottesdienste, Sozialarbeit, religiöse Unterweisung und Erinnerungsarbeit. Zwischen Trier und Koblenz — also auf der eigentlichen Mittel- und Untermosel — bestehen heute keine eingetragenen jüdischen Gemeinden mehr. Wo gelegentlich noch Gottesdienste oder Veranstaltungen stattfinden (etwa in der ehemaligen Synagoge Wittlich oder in Beilstein), geschieht das im Rahmen von Erinnerungsarbeit und Kulturveranstaltungen. Kontaktdaten der beiden Gemeinden finden sich auf der Kontaktseite.