Wein ist mehr als ein Genussmittel — Wein ist ein Botschafter. Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 verbindet die Twin Wineries Initiative renommierte Weingüter aus Deutschland und Israel. Inspiriert von der Idee klassischer Städtepartnerschaften schlägt sie eine Brücke zwischen zwei Kulturen, die eine tiefe Leidenschaft für den Weinbau teilen.
Die Idee: Wein als Bindeglied
Die Twin Wineries Initiative entstand 2008, als israelische Weingüter erstmals gemeinsam auf der internationalen Fachmesse ProWein in Düsseldorf auftraten. Aus diesem Erstkontakt entwickelten Renée und Hohey Salzman — Inhaber des Tel Aviver Weinexporteurs Zag Wines — die Idee, einzelne deutsche und israelische Weingüter im Stil klassischer Städtepartnerschaften paarweise zu verbinden. Die erste Partnerschaft wurde zwischen dem Weingut Heymann-Löwenstein aus Winningen an der Mosel und der Margalit Winery in Binyamina geschlossen. Heute sind 27 deutsche und 27 israelische Weingüter Mitglied.
Inhaltlich verfolgt die Initiative drei Ziele: Verständigung im interkulturellen Dialog, Wissenstransfer zwischen den önologischen Traditionen beider Länder und Sichtbarkeit deutscher Weine in Israel sowie israelischer Weine in Deutschland. Hinzu kommt eine ausdrückliche Nachwuchsförderung durch Praktika und Jungwinzer-Austauschprogramme. Die Partnerschaften werden durch gegenseitige Besuchsreisen und abwechselnde Weingipfel in beiden Ländern gefestigt; sichtbares Zeichen der Verbundenheit ist eine zweisprachige Messingtafel in den Vinotheken der Partner-Weingüter.
Renée Salzman — eine biographische Brückenfigur
Renée Salzman, geborene Sztabelski, verbindet selbst zwei deutsch-jüdische Lebenswelten. 1956 kam sie als Kind mit ihren Eltern Adam und Rosa Sztabelski und ihrem Bruder Leon nach Israel; 1959 zog die Familie nach Deutschland und eröffnete in Hanau eine Gaststätte. Nach dem frühen Tod ihres Vaters 1960 wuchs Renée in Wiesbaden, Hanau und Karlsruhe auf, später bei ihrer Tante Blanka Zmigrod, die in Karlsruhe ein Restaurant führte. Sie studierte am Boston University Brussels Graduate Center (MBA) und gründete in Brüssel eine technisch-wissenschaftliche Übersetzungsagentur, die zum größten Anbieter ihrer Branche in Belgien wurde.
Seit 2005 lebt Renée Salzman wieder in Tel Aviv. Im aufstrebenden israelischen Weinsektor erkannte sie das diplomatische Potential des Weins; gemeinsam mit ihrem Ehemann Hohey und dem Weinexperten Yuval Shamir gründete sie Zag Wines, das israelische Spitzenweingüter wie Tulip und Vitkin nach Deutschland vertreibt. Die Twin Wineries Initiative ist seitdem ihr persönliches Hauptanliegen.
Eva Raps — die deutsche Seite
Auf deutscher Seite führt Eva Raps die Initiative an. Sie war zwischen 2009 und 2017 Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) und ist heute Mit-Inhaberin des Weinguts Kaufmann (Rheingau, ehem. Hans Lang). Sie reiste 2009 erstmals nach Israel, um die ein Jahr zuvor gegründete Initiative gemeinsam mit deutschen Twin-Mitgliedern weiterzuentwickeln. 2017 erhielten die Twin Wineries den Preis der Deutschen Weinkritik der Weinfeder e. V., der die Initiative ausdrücklich für ihren „exemplarischen Einsatz für die Völkerverständigung“ würdigte.
Die Mosel-Saar-Partnerschaften
Acht Mitgliedsweingüter aus dem Mosel- und Saarraum sind aktiv in die Initiative eingebunden. Sie repräsentieren die gesamte Bandbreite zwischen Untermosel, Mittelmosel, Saar und Ruwer:
| Deutsches Weingut (Mosel/Saar) | Israelischer Partner | Region Israel |
|---|---|---|
| Heymann-Löwenstein, Winningen (Untermosel) | Margalit Winery | Binyamina (Küstenebene) |
| von Hövel, Saar-Mosel | Bazelet Hagolan Winery | Kidmat Zvi (Golanhöhen) |
| S. A. Prüm, Wehlen (Mittelmosel) | Recanati Winery | Ramat Dalton (Obergaliläa) |
| Nik Weis Urbans-Hof, Leiwen (Mittelmosel) | Flam Winery | Eshtaol (Judäisches Bergland) |
| Selbach-Oster, Zeltingen (Mittelmosel) | Tzora Vineyards | Tzora (Judäisches Bergland) |
| Materne & Schmitt, Winningen (Untermosel) | Nana Estate Winery | Mitzpe Ramon (Negev) |
| Joh. Jos. Prüm, Wehlen (Mittelmosel) | Lewinsohn Winery | Petach-Tikva (Küstenebene) |
| Geheimrat J. Wegeler, Bernkastel (Mittelmosel/Rheingau) | Barkan Winery | Hulda (Schefela) |
Die geographischen Pendants sind sorgfältig komponiert: zwei Mittelmosel-Schiefersteillagen-Güter (Selbach-Oster, J. J. Prüm) verbinden sich mit den kühlen Lagen des Judäischen Berglandes; das Saar-Weingut von Hövel mit den vulkanischen Böden der Golanhöhen; Untermosel und Negev als Extremlagen ihrer jeweiligen Region.
Das Vorbild: Otto Loeb
Die Twin Wineries Initiative steht nicht im historischen Vakuum. Otto Loeb (1898–1974) — Trierer Weinhändler jüdischer Herkunft, vom NS-Regime nach London vertrieben — war der erste, der deutsche Moselweine systematisch in den angelsächsischen Markt einführte. Sein Buch Moselle (Faber and Faber, London 1972) ist bis heute das umfassendste englischsprachige Werk über den Moselweinbau. Loebs Ansatz — Wein als Vermittler kultureller Verständigung über die Brüche des 20. Jahrhunderts hinweg — nehmen die Twin Wineries auf einer neuen, deutsch-israelischen Ebene wieder auf.
Der 5. Deutsch-Israelische Weingipfel: Mainz, 15. Juni 2026
Am 15. Juni 2026 findet im Kurfürstlichen Schloss Mainz der fünfte Deutsch-Israelische Weingipfel statt. Auf dem Programm: die Vorstellung neuer Twin-Partnerschaften, ein Panel „In Search of Terroir“ über Identitätsbildung durch Rebsorten- und Kellerarbeit (mit Franziska Schätzle, Johannes Hasselbach, Dan Sheinman von Tzora Vineyards und Hai Vortman) sowie eine gemeinsame Verkostung unter dem Motto „Simply the Best“. Grüßworte sind u. a. von der Präsidentin des Deutschen Bundestages und von Repräsentanten des Landes Rheinland-Pfalz, des Generalkonsulats des Staates Israel sowie des Oberbürgermeisters der Stadt Mainz angekündigt.
Nach dem 7. Oktober 2023
Im Herbst 2023 starteten deutsche Twin-Weingüter eine Solidaritätskampagne für ihre israelischen Partner. Der Motto-Hashtag #thetasteoffriendship machte sichtbar, dass die Initiative ihre Aufgabe gerade in Krisenzeiten ernst nimmt: Wein als Geste der Verbundenheit, nicht als bloßes Wirtschaftsgut. Der 5. Weingipfel 2026 steht unter dem ausdrücklichen Leitsatz „Jetzt erst recht — Ja zur Freundschaft“.
Kontakt
Ansprechpartner der Twin Wineries Initiative sind Renée Salzman (Tel Aviv) für die israelische Seite und Eva Raps (Weingut Kaufmann, Rheingau) für die deutsche Seite.