An der Mündung der Mosel
Koblenz, an der Mündung der Mosel in den Rhein gelegen, blickt auf eine der ältesten jüdischen Geschichten am Mittelrhein zurück. Bereits 1160 berichtet Rabbi Benjamin von Tudela auf seiner Reise durch Europa und Asien vom Gemeindeleben in Koblenz. Die Gemeinde war stets eine kaufmännisch geprägte Stadtgemeinde — begünstigt von der zentralen Verkehrslage am Zusammenfluss der beiden großen Ströme.
Friedhof seit 1303, Synagoge ab 1848
Der jüdische Friedhof von Koblenz reicht bis 1303 zurück, als die Gemeinde von der Bürgerschaft einen Weinberg kaufte, um dort ihre Toten bestatten zu können. 1847/1848 erwarb die Gemeinde den Bürresheimer Hof und baute ihn zur Synagoge um. Im 19. Jahrhundert wuchs die Zahl der jüdischen Familien deutlich: von 188 Personen 1807 auf 415 (1858) und 576 (1895).
Pogrom und Deportation
In der Reichspogromnacht am 9. und 10. November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört; das Gebäude selbst blieb erhalten, weil ein Brand auf die unmittelbare Nachbarschaft übergegriffen hätte. Ab 1942 begannen die Deportationen: 870 Juden aus dem Koblenzer Raum wurden über den Bahnhof Koblenz-Lützel in die Vernichtungslager im Osten transportiert.
Wiederbeginn nach 1946
1946 wurde in Koblenz eine neue Gemeinde gegründet. Sie zählt heute rund 870 Mitglieder — auch dank des Zuzugs aus den ehemaligen Sowjetstaaten. Die heutige Synagoge ist die 1925 errichtete frühere Trauerhalle neben dem jüdischen Friedhof aus dem 14. Jahrhundert.
Spuren entlang der Mosel
Zwischen Trier und Koblenz haben sich zahlreiche Zeugnisse jüdischen Lebens erhalten — etwa die Synagogengebäude in Zell, Bruttig-Fankel und Ediger-Eller. Sie alle zeigen, dass die Mosel nicht nur eine Wein- und Schiefer-Landschaft war, sondern auch ein dichter jüdischer Siedlungsraum.